Zwei Familien rühren die Herzen der Gäste im Kloster

Bericht aus der Badischen Zeitung vom 21. Juli 2017

 

Die beiden Ensembles Kraft und Eichhorn bieten beeindruckende Vokal- und Instrumentalmusik.

STÜHLINGEN. “Friede den Menschen auf Erden” – mit diesem Wunsch verabschiedete sich die Konzertreihe “Musik im Kloster” im Kapuzinerkloster Stühlingen in die Sommerpause. Zwei Familienensembles haben mit ihrer Vokal- und Instrumentalmusik das Konzert gestaltet.

Josef Kraft und seine Familie aus Stühlingen-Schwaningen sind in der Region wohlbekannt. Axel und Carolina Eichhorn mit ihren fünf Kindern aus Bersenbrück in Niedersachsen gastierten in Stühlingen zum ersten Mal. Die beiden Familien hatten sich kennen gelernt, nachdem die Eltern der Eichhorns ein Konzert der Krafts gehört hatten. Sie waren davon so angetan, dass sie der musikbegeisterten Familie des Sohnes zum unbedingten Zusammentreffen rieten. Inzwischen fand ein erstes gemeinsames Konzert in Niedersachsen statt. Axel Eichhorn hat Kirchenmusik in Frankfurt studiert und eine Gesangsausbildung absolviert. Es seien nur die Namen “Thomas Quasthoff” und “The Hillard Ensemble” herausgepickt, bei denen er Fortbildungskurse besuchte, um seine musikalische Ansprüche zu illustrieren. Eichhorn ist unter anderem als Regionalkirchenmusiker im Bistum Osnabrück mit Schwerpunkt Gesangspädagogik tätig.

Nun waren also beide Familien in der vollbesetzten Klosterkirche zu hören. Programmatisch war das Konzert in drei Teile gegliedert: 1. Ohne Frieden, 2. Für den Frieden, 3. Im Frieden – jeweils getrennt durch ein Instrumentalstück. Josef Kraft sprach in seiner Einführung im ersten Teil über die propagandahafte Rolle von Regierungen, die Kameradschaft und Freundschaft für kriegerische Zwecke missbrauchen. “Soll uns doch ein Unheil treffen, aber unsere Freundschaft wird nur mit mir zusammen sterben […] Bereite dich auf das große Ziel vor, der Ruhm wird dich schon finden!”, so heißt es in einem russischen Lied über die beunruhigte Jugend. Das Lied “Ich hatt’ einen Kameraden”, das Ludwig Uhland 1809 gedichtet hatte, berührte dann insbesondere, da gesungen von herausragend ausdrucksstarker Knabenstimme. Vom Kraft-Ensemble stehen Elias (zehn Jahre) und Gabriel (elf Jahre) in der Blüte ihrer Stimme, während Josef jun. (13 Jahre) mit Stimmbruch etwas in den Hintergrund rückte. Dazu trat der fast neunjährige Johannes, Tatjana mit ihren sechs Jahren komplettierte das Familiensextett.

Der Teil “Für den Frieden” brachte eine Komposition von Heinrich Schütz aus dem Jahr 1648, dem Jahr also in dem der 30-jährige Krieg mit seinen Konfessionskriegen zu Ende ging: “Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott, zu unsern Zeiten, es ist doch ja kein ander nicht, der für uns könnte streiten, denn Du, unser Gott alleine.” Dass der Mensch selbst gehörig mit beitragen muss, dass es Friede auf der Welt gibt, das wollte Josef Kraft mit der deutschen Nationalhymne im dritten Teil ausdrücken. Die Hymne “Einigkeit und Recht und Freiheit” spricht nach Kraft auch vom Bürgerengagement für den Frieden, das nicht in einzelnen Nationalstaaten stecken bleiben solle, sondern universelle Geltung habe. Axel Eichhorn griff hier zur Posaune, Sohn Dam (16 Jahre) zur Tuba, Lyda (15 Jahre) legte ihren großen Kontrabass zur Seite und blies die Trompete, Yamina (elf Jahre) tauschte das Cello mit dem Altsaxophon. Noa (14 Jahre) spielte die Geige, Timon (zehn Jahre) die Bratsche. Das Publikum sang mit.

Der Teil “Im Frieden” brachte auch das persönliche Lied “Mein Heimatdorf Wangen” von Fritz Neukum, das dieser 1945 in französischer Kriegsgefangenschaft verfasst hatte. Obwohl damals kein gebürtiger Wangener, empfand er doch den Ort als seine Heimat – “voll frohem Verlangen bitt’ ich drum fürwahr: Beschütze, o Herrgott, mein Wangen immerdar!” Das eineinhalb Stunden dauernde Konzert beeindruckte durch die instrumentale Vielheit, mit der Familie Eichhorn spielte, und die Kraft’schen Knabenstimmen.

Bruder Jürgen aus dem Kloster Stühlingen ließ sich in Anspielung an den Erzengel Gabriel, der in luftiger Höhe in der Klosterkirche schwebt, dazu hinreißen zu behaupten, dass, wenn der Erzengel bei der Verkündigung so schön gesungen hätte wie der junge Gabriel Kraft, die Heilige Maria wohl drei Jesuleins an der Zahl geboren hätte. Der liebe Gott und die Musikkritikerin hätten dazu wohl Einspruch erhoben. Aber die hübsche Übertreibung belegt doch treffend, welche Stimmung die Singenden beim Publikum in der Klosterkirche auslösten.

 

Foto und Text: Andreas Mahler

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    Woche zum Mitleben

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