Straßenstaub

Gedanken zum Gründonnerstag
von Bruder Christian

 

Die Fußwaschung habe ich noch nie richtig verstanden. Wann wasche ich mir denn schonmal nur die Füße? Ich gehe Duschen und dann sind bestenfalls auch meine Füße sauber. Wenn ich mir nun einen Jünger im antiken Israel vorstelle, der in Sandalen auf nichtasphaltierten Straßen läuft, dann scheint es logisch, dass Füßewaschen wohl angebracht sei. Aber richtig verstehen kann ich die Fußwaschung trotzdem nicht. Und dann war ich in Peru. Täglich in Sandalen unterwegs, war es nach einigen Wochen im andinen Arequipa für mich selbstverständlich, die Füße zu waschen. Auf dem Dach des Klostergebäudes gab es große, aus Beton gegossene Waschbecken, die zum Wäschewaschen dienten. Jeden Abend setzte ich mich, so wie es auch die anderen Brüder taten, auf den Rand eines solchen Beckens und wusch mir die Füße, denn der aggressive Staub aus der trockenen Stadt brannte unangenehm auf der Haut. Und mit dreckigen Füßen ins Bett wollte ich auch nicht. Den Straßenstaub von den Füßen waschen – nichts ungewöhnliches. Nichts außergewöhnliches. Eine ganz alltägliche Handlung eben. Das hatte ich jetzt begriffen. Das lässt mich nun die Fußwaschung, von der Johannes in seinem Evangelium berichtet, ganz anders erscheinen. So wie ich es in Peru am eigenen Leib erfahren habe, wird es wohl auch für Jesus und seine Jünger auch gewesen sein. Füßewaschen – ganz alltäglich. Wenn wir im Gründonnerstagsgottesdienst die Fußwaschung nachspielen, wirkt sie auf uns eindrücklich und außergewöhnlich gleichermaßen. Aber Jesus hat gerade keinen außergewöhnlich Dienst an seinen Jüngern getan. Klar, es war definitiv nicht seine Aufgabe, aber der Dienst an sich war ein ganz normaler.

„Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.“ Jesus nachfolgen bedeutet hier also nicht, dass ich etwas exzeptionell großes tun muss. Ich muss keine phänomenalen Leistungen vollbringen. Im Alltäglichen anfangen, in den kleinen Dingen. Wie geht Füßewaschen heute?

 

Foto: Saskia Pause

Termine zum Mitleben

  • 30.3.2019 - 6.4.2019
    Woche zum Mitleben

    Eine Woche zum Mitleben, Mitbeten und Mitarbeiten im Kloster Stühlingen.

  • 6.4.2019 - 13.4.2019
    Halbstille Woche

    Wir folgen unserem normalen Tagesrhythmus. Die Zeit vom Mittagessen bis zum Abend verbringen wir im Schweigen. Täglich gibt es einen geistlichen Impuls.

  • 13.4.2019 - 22.4.2019
    Kar- und Ostertage

    Die Kar- und Ostertage mit der Klostergemeinschaft erleben. Von Palmsonntag an gehen wir mit Jesus den Weg nach Golgatha – und feiern an Ostern seine Auferstehung.

Musik im Kloster

  • 27.7.2019 - 17:00
    Sommerkonzert

    mit dem Trio Amabile aus Blumberg​

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