Netzfundstück

Im Netz gefunden: ein Artikel der Badischen Zeitung aus dem Jahr 2013. In diesem Jahr feierte die Klostergemeinschaft 30 Jahre Kloster zum Mitleben.

 

STÜHLINGEN. Besuche im Stühlinger Kapuzinerkloster endeten noch vor 30 Jahren im Sprechzimmer direkt hinter der Klosterpforte. Männer kamen nur bis zur Klausurtür, Frauen sowieso nur bis zur Pforte. So gesehen war die Öffnung des Klosters im Jahr 1983 für Menschen, die den Klosteralltag miterleben wollten, eine Sensation.

Der neue Weg, der damals eingeschlagen wurde, erwies sich als richtig und wichtig. Längst prägt er das örtliche Klosterleben und wird von den vielen Gästen im Haus als richtungsweisend geschätzt. Am Sonntag, 14. Juli, feiert die Klostergemeinschaft “30 Jahre Kloster zum Mitleben”. Sie lädt zu Jubiläumsgottesdienst, Frühschoppen, Klosterführungen und Festvortrag ein. Der Konvent hat mehrfach Grund zur Freude. Die Gefahr, dass das Stühlinger Kloster aufgelöst werden könnte, ist derzeit gebannt. Klosterleiter Bruder Laurentius Wenk sagt dazu: “Trotz sinkender Mitgliederzahlen stehen die Kapuziner zu unserem Projekt. Unser Kloster zum Mitleben hat dadurch eine gute Perspektive.” Außerdem wurde er in die Provinzleitung der deutschen Kapuziner gewählt. Er wertet dies als Vertrauensbeweis in die in Stühlingen gepflegte “Kultur der Veränderung”.

Auch die Franziskanerinnen von Reute, die gemeinsam mit den Kapuzinern vor Ort das Projekt betreuen, stehen voll zum “Kloster zum Mitleben”. Dies zeigt sich darin, dass die junge Schwester Clara nach Stühlingen versetzt wurde. Vor 30 Jahren wurde die Idee geboren, “ein Kloster zu haben, in dem die Menschen die franziskanische Lebensweise hautnah erfahren und erleben können.” Das heißt, sie nehmen zumindest auf Zeit teil, “an einem Leben in Verbindung mit Gott und im Bewusstsein, dass die anderen Menschen, die ganze Schöpfung, Geschwister sind.”

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Was sich hier etwas kompliziert anhört, wird im täglichen Beisammensein von Klosterbewohnern und Gästen schnell mit Leben gefüllt. Zu Beginn der achtziger Jahre suchten die Kapuziner eine neue Aufgabe für das Kloster Stühlingen. Nur noch wenige Mönche lebten hier, ein ganzer Gebäudetrakt stand leer. Mit Pater Wolfgang fand man den Mann, der aus der guten Idee die noch bessere Umsetzung machte. Diese Öffnung einer Ordensgemeinschaft war damals etwas völlig Neues. Die Tatsache, dass bereits ein Jahr später Schwestern des Franziskanerinnenklosters Reute hinzukamen und bis heute fester Bestandteil der gemischten Gemeinschaft sind, macht Stühlingen allerdings bis heute zu einer echten Rarität. Weil auch Frauen die Möglichkeit des Klosteraufenthalts immer mehr nutzten, ergab sich die Notwendigkeit, für sie weibliche Ansprechpartnerinnen zu finden.

Derzeit wirken die Brüder Laurentius, Tobias, Jürgen, Jürgen Maria sowie Postulant Alexander gemeinsam mit den Schwestern Erika, Odwina, Julia und Clara. Alle sehen diese zunächst ungewöhnliche Konstellation als große Bereicherung der Gemeinschaft, bringen Frauen doch Aspekte ein, die in einer reinen Männergesellschaft nicht so zum Tragen kommen. Die Gäste, die den Weg ins Kloster finden, bleiben zwischen einer und vier Wochen. Sie sind dann nicht nur Zuschauer, sondern gehören ganz zur Hausgemeinschaft. Gemeinsam wird gebetet und gearbeitet, Letzteres vor allem im Haus und im Garten. Natürlich wird auch gemeinsam gegessen, die Freizeit verbracht, geredet. Dazu kommt eine tägliche “Zeit der Stille”. Freitags wird diese auf den ganzen Tag ausgedehnt, gleichzeitig wird gefastet. Viele empfinden gerade das Schweigen als sehr wichtige Erfahrung. Außerdem gibt es Bibelgespräche und Gruppengespräche zu spirituellen Fragen. Sehr gefragt sind die “Themenwochen”, deren Umsetzung sich in den letzten fünf Jahren entwickelt hat. Ihr Fokus liegt auf den speziellen Bedürfnissen der Menschen unserer Gesellschaft. Hier liegt Bruder Laurentius besonders die Woche “Orientierung bei Lebensumbrüchen und Sinnkrisen” am Herzen, die zusätzlich von einem Psychologen begleitet wird. Auch die “Wochen mit Wanderungen” bergen für ihn eine “enorme Dynamik”. “Das sich gemeinsame Bewegen hat eine enorme Heilkraft in sich. Man kommt schnell ins Erzählen, auch innerlich gerät dadurch vieles in Bewegung. Dabei schaffen wir für unsere Gäste keine künstliche Welt, sondern bleiben durch den festen Tagesrhythmus stets mit dem Alltag in Kontakt”, betont Bruder Laurentius.

Wer kommt ins “Kloster zum Mitleben”? Meistens sind es Frauen und Männer aller Konfessionen, die eine Zeit der Ruhe suchen, um für daheim aufzutanken, einfach neugierig aufs Klosterleben sind oder Entscheidungen und Lebensfragen außerhalb ihres normalen Alltags abklären wollen. Ihre Altersstruktur ist gemischt, der Schwerpunkt liegt allerdings bei 25 bis 30 Jahren, Mitte vierzig und Anfang sechzig. Gerade in letzter Zeit kommen immer mehr Menschen zu Beginn ihres Renteneintritts nach Stühlingen, um den neuen Lebensabschnitt bewusst zu reflektieren und in Stille zu beginnen.

Der Rhythmus des Tages mit Gebets- und Arbeitszeiten wird als Stärkung gesehen und in den geschäftigen Alltag mit hineingenommen. Auch das Arbeiten ohne Druck oder die schöne Erfahrung, dass morgens im Garten geerntetes Gemüse mittags auf dem Tisch steht, gehören zu den besonderen Erlebnissen.

Termine zum Mitleben

  • 18.8.2018 - 25.8.2018
    Woche zum Mitleben

    Eine Woche zum Mitleben, Mitbeten und Mitarbeiten im Kloster Stühlingen.

  • 25.8.2018 - 1.9.2018
    Woche zum Mitleben

    Eine Woche zum Mitleben, Mitbeten und Mitarbeiten im Kloster Stühlingen.

  • 1.9.2018 - 8.9.2018
    U40-Woche

    Glauben lernen kann man nur gemeinsam. In dieser Woche laden wir junge Männer und Frauen (U 40) zum Mitleben ein. Im gemeinsamen Leben, Beten, Arbeiten, Wandern dürfen Fragen gestellt und miteinander nach Antworten gesucht werden: Wie kann ich als junger Christ, als junge Christin leben? Wohin kann mein Lebensweg führen? Wie bring ich mein Leben in „Form“? Wie treffe ich die richtige Entscheidung? Wäre ein Leben in einem Orden vielleicht etwas für mich? Oder was ist eigentlich meine Berufung?

    Weitere Infos bei Bruder Stephan

Musik im Kloster

  • 29.9.2018 - 17:00
    Europäische Barockmusik

    mit dem Ensemble BernauBarock
    Albrecht Barth, Blockflöte; Antje Niedecken, Violine; Berthold Weiger, Bariton; Ursula Waeschle-Weiger, Cembalo

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