Kunstprojekt

Kunstprojekt, das aufhorchen lässt

Jugendliche mit und ohne Behinderung sowie Senioren arbeiten gemeinsam an symbolträchtigen Werken / Vernissage im Kloster.

STÜHLINGEN. Die Vernissage “Religion und Kunst”, die am Mittwochmorgen in der vollbesetzten Klosterkirche durch Bruder Stephan eröffnet wurde, war aus mehreren Gründen ein außergewöhnliches Ereignis. 15 Schüler der Klasse 9 aus der Realschule Stühlingen hatten gemeinsam mit fünf Sekundarschülern der Carl-Heinrich-Rösch-Schule Tiengen für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung drei Tage lang ein gemeinsames Kunstprojekt realisiert.
Angeleitet wurden die Jugendlichen durch den Maler und Bildhauer Josef Briechle. Zwei thematische Leitbilder waren vorgegeben: “Wer bin ich, Mensch?!” und “Unsere Lebenswege”. Zu sehen sind nun folgende Objekte: zwei Stelen, ein Fastentuch, zwei auf dem Fußboden ausgelegte Tableaus mit ornamental ausgeschnittenen kleinen Platten und ein selbst angefertigtes Holzkreuz. Beim Malen des Fastentuches haben Bewohner und Bewohnerinnen der Pflegeeinrichtung Brunnenwiesen mit eigenen Bildern das drei Meter lange Tuch bereichert. Kunsttätigkeit bewirkte so eine dreifach-wechselseitige Inklusion von Jung, Alt und geistig Behinderten.

Die zwei Stelen bestehen aus gesammelten Fundstücken aus der Natur, die zurechtgesägt, durchbohrt, bemalt und dann auf etwa zwei Meter hohe Stäbe gesteckt wurden. Das Kreuz in einer Rundung bildet den Abschluss. Sie sollen, wie Kai Adam und Tim Maier dem Publikum erklärten, allegorisch für “die Vielfalt der Menschheit” stehen. Gleichgültig, wie ein Mensch aussieht, an was er glaubt oder wo er herkommt – er solle als Person gleich berechtigt in der Menschengemeinschaft behandelt werden, so die Botschaft der jungen Künstler.

Das Fastentuch besteht aus vielen Einzelbildern, die zusammengenäht wurden. Alle Beteiligten konnten dabei mit ihren eigenen Fähigkeiten zum Gelingen des Ganzen beitragen. Bei einem Seniorenbild kommt das gemalte Haus als Erinnerung an die Vertreibung aus der Heimat zum Ausdruck, erläuterte Erika Hamburger, die für die Beteiligten der Pflegeeinrichtung sprach. Bei einem Schülerbild stand das Auge als Sinnbild für die Zeitläufe. Äußere Ereignisse setzen sich im inneren Auge fest und werden zu Erinnerungen – an schlechte wie an gute Zeiten, wie es Rebecca Hotz und Jenna Kaiser ausdrückten. Die ausgeschnittenen kleinen Holzplatten mit den darauf geschriebenen Namen sind gleichzeitig “Reminiszenz an die von der Ornamentik geprägte islamische Kultur”, erklärte der Künstler Josef Briechle. Arabisch geschriebene Namen weisen darauf hin, dass eben auch Flüchtlingskinder sich am Projekt beteiligt haben. Das Kreuz taucht vielfältig in den Kunstwerken auf und verweist nicht nur auf religiöse Symbolik. Das eigens angefertigte Holzkreuz entstand durch Verlängerung der Seiten eines vereinzelten Quadrates. So bildete sich eine Kreuzung. Diese steht auch für die am Kunstprojekt beteiligten Menschen. Denn ihre Biographien haben sich gekreuzt. Josef Briechle erzählt, dass diese Begegnungen ihm als Künstler, der stets alleine arbeitet, gut getan haben. Manche Schüler der Realschule haben durch diese Kreuzung der Lebenswege erst ihre Scheu vor Menschen mit Behinderungen verloren, so die Stimme eines Schülers.

“Vernissage” hieß an diesem Morgen, dass die Beteiligten das Rahmenprogramm selbst gestalteten. Die Seniorin Annemarie Nußberger eröffnete mit ihrem Orgelspiel, Josy Kech und Jana Baumann von der Realschule spielten “Over the rainbow” mit Klarinette und Saxophon. Die Schüler lasen kurze Notate zu ihren Kunstwerken vor. Axel Schey und seine Partnerin Sandy von der Rösch-Schule verwickelten mit einem Fragespiel über Vorlieben und Ungeliebtes das Publikum thematisch in das Ansinnen des Kunstprojektes.

Rektor Felix Lehr zollte den Beteiligten höchsten Respekt und dankte Brigitte Hauser, Religionslehrerin in Stühlingen, und Renate Buchmüller, Kollegin an der Carl-Heinrich-Rösch-Schule, die das Projekt betreut hatten. Martina Porten-Dengg, Geschäftsführerin der Pflegeeinrichtung Brunnenwiesen, hatte spontan das Projekt finanziell unterstützt, da sie solche kooperativen Unternehmungen sehr produktiv findet. Sie war etwas baff, dass so viele gekommen waren, lud anschließend aber alle zu einem Apero ein. – “Man müsse halt teilen.” Das passte als Abschluss zur Vernissage im Zeichen des Kreuzes.

Bis Ostern laden die Kunst-Objekte im Stühlinger Kloster zur geistigen Reflektion ein.

 

(Quelle: Badische Zeitung, Foto: Andreas Mahler)

Termine zum Mitleben

  • 20.10.2018 - 27.10.2018
    Wander-Woche

    Geführte Halbtageswanderungen in der reizvollen Umgebung von Stühlingen (Südschwarzwald/ Hegau).

  • 24.11.2018 - 1.12.2018
    Woche zum Mitleben

    Eine Woche zum Mitleben, Mitbeten und Mitarbeiten im Kloster Stühlingen.

  • 1.12.2018 - 8.12.2018
    Stille Woche

    Diese Woche ist davon geprägt, dass Stille und Schweigen einen größeren Platz einnehmen als im normalen Alltag in Stühlingen. Wir schwiegen von Montag bis Freitag. Täglich gibt es einen geistlichen Impuls.

Musik im Kloster

Keine kommenden Termine vorhanden.

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