Gottverdammt

Gedanken zum Karfreitag
von Bruder Charls John

 

Karfreitag. Die Passion Jesu.
Sie beunruhigt mich.
Ich finde überall Dunkelheit.
Es scheint, als sei das Licht der Welt für immer ausgelöscht worden.

In meiner Nase:
Der Geruch von Schweiß und Blut.
Ein Mann hat sein Leben für mich aufgegeben.

Ich sehe alles wie in einer Vision.

Schon als Kind hörte ich in der Kirche die Passion Christi. Das wird bei uns ganz dramatisch gelesen. Und immer wieder hoffte ich, dass sie ein anderes Ende nehmen würde. Ich hoffte, dass die Soldaten umkehren würden … oder Pilatus seine Meinung ändern würde … oder die Leute würden „Jesus“ schreien, damit er befreit wird, nicht Barabbas.

Was da passiert, ist so herzzerreißend und herzzerbrechend. Aber es hat kein anderes Ende. Das Kreuz, der Tod: Darauf läuft alles zu. Das ist unvermeidlich. Ist er wirklich derjenige, den viele für Gott gehalten haben? Kann ein Gott sterben? Am Kreuz wie ein Dieb? Wie ein Mörder?

Niemand ist bei ihm – nur seine Mutter und einer seiner Jünger, und einige Frauen. Als er Wunder vollbracht hatte, da war es anders. Da waren viele um ihn. Aber in seinem Leiden, da haben sie ihn alle verlassen. Klar: Es ist leichter, Jesus auf dem Weg seiner Herrlichkeit zu folgen.

Wunder.
Liebe.
Barmherzigkeit.
Gottvertrauen.
Herr, Lehre uns beten.“
Und auch: Hosianna.

Aber es ist etwas ganz anderes, ihm auf dem Weg seines Kreuzes zu folgen. Ich sehe einen schwachen Gott am Kreuz. Zerdrückt und erstickt von seinen Feinden. Am Palmsonntag ritt er auf einem Esel. Gestern hat er die Füße der Jünger gewaschen. Heute ist er am Kreuz, ihm werden die Kleider ausgezogen. Unmittelbar wird die Frage wach: Ist er ein Versager? Und auch: Ist Gott ein Versager? Er lehrte über die Liebe Gottes und die Notwendigkeit, einander zu lieben. Dennoch wurde er verfolgt und gekreuzigt. Der die Liebe zu Gott gepredigt hat – er schreit jetzt zu Gott: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Ich höre ihn sagen: „Bis jetzt habe ich deinem heiligen Willen gehorcht, mein lieber Vater im Himmel. Ich habe deinen Auftrag erfüllt. Ich habe dein Reich zu den Menschen gebracht. Ich habe viele in dein Reich berufen. Aber jetzt: Hier. Am Kreuz. Wo ich leiden muss. Da hast du mich verlassen.“ Es klingt wie ein Schrei der völligen Enttäuschung. Ein enttäuschender Schrei zu einem Gott, der versagt hat. Derjenige, der ihn in die Mission geschickt hat: Hat Gott ihn vergessen? Seinen Sohn. Diesen Menschen. Und die Antwort: Ein großes Schweigen. Ein tödliches Schweigen. Zumindest am Karfreitag. Heute. Und auch morgen. Am Karsamstag.Bis zum Abend. Langes Schweigen. Keine Antwort.

Das ist schwer auszuhalten.
Ein Gott, der nicht antwortet.
Nicht einmal seinem Sohn.

Vielleicht: Ich wage es kaum zu sagen: Will Gott das Schweigen segnen. Meine Verzweiflung, wenn die Antwort ausbleibt. Und nicht nur meine: Was sagte Jesus noch: Für euch und für alle. Und heute: Ich höre ihn sagen: Für euch und für alle erleide ich das große Schweigen Gottes. Auch darin will ich mit euch sein.

Gehen wir zu ihm — Jetzt.
Mit unserer Sprachlosigkeit.
Mit unseren Zweifeln.
Mit unserer Einsamkeit.
Mit all dem, von dem Menschen sagen: Gottverdammt.

Gehen wir damit zu dem, der am Kreuz hängt wie ein Gottverdammter. Den Gott uns schenkt, damit wir ernst nehmen, was leidend macht. Und damit wir glauben lernen. Damit wir glaubend das wirkliche Leben lernen. In allen Fragen. In allem Kreuz. Und in aller Freude.

In allem Leid ist ein Weg. Ein Gottesweg.
Gleich … auf dem Weg zum Kreuz.
Geh mit mir.

 

 

Termine zum Mitleben

  • 18.8.2018 - 25.8.2018
    Woche zum Mitleben

    Eine Woche zum Mitleben, Mitbeten und Mitarbeiten im Kloster Stühlingen.

  • 25.8.2018 - 1.9.2018
    Woche zum Mitleben

    Eine Woche zum Mitleben, Mitbeten und Mitarbeiten im Kloster Stühlingen.

  • 1.9.2018 - 8.9.2018
    U40-Woche

    Glauben lernen kann man nur gemeinsam. In dieser Woche laden wir junge Männer und Frauen (U 40) zum Mitleben ein. Im gemeinsamen Leben, Beten, Arbeiten, Wandern dürfen Fragen gestellt und miteinander nach Antworten gesucht werden: Wie kann ich als junger Christ, als junge Christin leben? Wohin kann mein Lebensweg führen? Wie bring ich mein Leben in „Form“? Wie treffe ich die richtige Entscheidung? Wäre ein Leben in einem Orden vielleicht etwas für mich? Oder was ist eigentlich meine Berufung?

    Weitere Infos bei Bruder Stephan

Musik im Kloster

  • 29.9.2018 - 17:00
    Europäische Barockmusik

    mit dem Ensemble BernauBarock
    Albrecht Barth, Blockflöte; Antje Niedecken, Violine; Berthold Weiger, Bariton; Ursula Waeschle-Weiger, Cembalo

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