Erschrecken und Verstummen

Gedanken zum Osterfest
von Bruder Stephan J. M.

 

Vielleicht geht es Ihnen ähnlich:
Ich bin jedes Mal neu fasziniert und beeindruckt von der Feier der Osternacht:
Es berührt mich, wenn die Osterkerze am lodernden Feuer entzündet wird; wenn dann der Ruf folgt: „Christus ist glorreich auferstanden vom Tod. Sein Tod vertreibe das Dunkel der Herzen!“ Da fühle ich mich angesprochen in der Tiefe meines Glaubens, aber genauso angefragt in meinem Suchen und Zweifeln. Ostern verführt geradezu zu einem begeisterten Ja des Glaubens; aber trotzdem bleiben daneben Fragezeichen, Zweifel, und sogar Unglaube.

Eine eigentümliche Spannung ist das, die aber dieser Osternachtsfeier eigentlich gar nicht fremd ist. Denn die ganze Liturgie dieser Nacht kennt diese Spannung; in allen Texten, Lieder und Gebeten kommt sie in den verschiedenen Gegensätzen zum Ausdruck: Dunkel und Licht, Tod und Leben, Untergang und Rettung, Angst und Vertrauen, Zweifel und Hoffnung.Auch das Evangelium der Osternacht ist von dieser Spannung geprägt: Drei Frauen, die – voll in Anspruch genommen von der Sorge um den Leichnam Jesu und noch ganz beschäftigt mit ihrer eigenen Trauerarbeit – bei Dunkelheit zum Grab eilen.Der Stein am Eingang des Grabes – sie machen sich Sorgen, wie sie ihn beseitigen können – ist Symbol für ihre eigene Ratlosigkeit, für ihre Trauer und Blockierungen. Doch dann – gerade geht die Sonne auf und ein neuer Tag bricht an – finden sie alles so ganz anders als erwartet und befürchtet: Der Stein, die Blockierungen sind weg; ihnen geht ein Licht auf; ja, es wird ihnen die Erleuchtung geschenkt, dass der Gekreuzigte lebt. Und sie werden beauftragt, diese Erfahrung den Jüngern, allen voran Petrus, weiterzusagen.

Für einen Moment sind alle ihre Befürchtungen, Ängste, Zweifel wie weggeblasen. Gottes zuvorkommende Handeln lässt sie – jenseits aller Fragen und Zweifel – in ihrem Herzen spüren: Jesus lebt; nicht Untergang, sondern Rettung; nicht Dunkel, sondern das Licht, nicht der Tod, sondern das Leben haben das letzte Wort. Aber: diese Botschaft ist so unglaublich, so unerhört, so neu, dass sie voll Schrecken und Entsetzen fliehen und erst einmal mit niemandem darüber reden. Frohe Botschaft und Entsetzen, Auftrag zur Verkündigung und Verstummen: deutlicher kann die Spannung, die Ostern kennzeichnet, nicht zum Ausdruck gebracht werden. Die offizielle Leseordnung in unserer Liturgie versucht, hier abzumildern: sie lässt den letzten Vers des Osterevangeliums (Markus 16,8)  weg. Offenbar soll die Verkündigung in der Osternacht nicht mit der Aussage über Furcht und Schrecken der Frauen am leeren Grab enden, sondern mit einem „österlichen“ Abschluss.

Aber: Sind nicht gerade Erschrecken und Verstummen ein wichtiger Hinweis auf die überwältigende Erfahrung die diesen Frauen zuteil wurde? Finden wir nicht genau auf diesem Hintergrund zu einem Osterglauben, der uns jenseits unserer Zweifel und Schwierigkeiten von Gott geschenkt wird? Mir tut es gut zu sehen, dass Gott den Glauben schenkt. Das gibt mir Gelassenheit und jene „Erdung“ des Glaubens, die Unsicherheit und Zweifel gelten lässt und ernst nimmt – bei mir selbst und bei anderen. Denn erst der Anbruch des ewigen Osterfestes bei Gott, der Aufgang der Ostersonne Jesus Christus, wird das letzte Dunkel in unseren Herzen beseitigen. Dann wird unser Glaube zur Gewissheit: Ja, Jesus lebt – und mit ihm auch ich.

Termine zum Mitleben

  • 24.11.2018 - 1.12.2018
    Woche zum Mitleben

    Eine Woche zum Mitleben, Mitbeten und Mitarbeiten im Kloster Stühlingen.

  • 1.12.2018 - 8.12.2018
    Stille Woche

    Diese Woche ist davon geprägt, dass Stille und Schweigen einen größeren Platz einnehmen als im normalen Alltag in Stühlingen. Wir schwiegen von Montag bis Freitag. Täglich gibt es einen geistlichen Impuls.

  • 19.12.2018 - 26.12.2018
    Weihnachts-Woche

    Weihnachten. Die Geburt Jesu Christi. Das Fest feiern zusammen mit der Klostergemeinschaft.

Musik im Kloster

Keine kommenden Termine vorhanden.

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